„Mit der Kaderplanung bin ich sehr zufrieden!“

Die U23 des TuS Westfalia Wethmar freute sich am ersten Spieltag über einen Traumstart in die Kreisliga-Saison: Dem 3:1-Auswärtserfolg in Kamen folgte jedoch ein völlig unnötiges 0:3 gegen den SV Langschede, was Trainer Dominik Ciernioch mächtig auf den Keks ging. Die Niederlage ist jedoch kein Grund zur resignation, sondern vielmehr Ansporn zu harter und erfolgreicher Arbeit. In unserer Interview-Serie mit zahlreichen TuS-Coaches spricht „Domme“ vor dem absolten Top-Spiel gegen den vermeintlichen Liga-Primus SuS Oberaden nun über Ziele, Probleme und Perspektiven.

Hallo Dominik, vor einem Jahr hatten wir im Vorlauf zu der dann leider abgebrochenen Saison bereits ein Interview geführt. Ich möchte heute gerne mit einer Frage aus dem letzten Jahr beginnen: Wie hast du den mittlerweile zweiten Lockdown erlebt?

Ich muss sagen, dass sich der Lockdown doch schon sehr gezogen hat. Es kamen immer mehr und immer schärfere Regeln, die Zahlen der Infizierten stiegen nur noch. Es war schon eine komische, aber besondere Zeit. Man musste sich etwas umstellen, die sozialen persönlichen Kontakte waren eingeschränkt und auch die Freizeitgestaltung war anders. So habe ich viel Zeit an der frischen Luft mit meiner Freundin und meinem Hund in Wäldern und Parks verbracht. Auch für uns als U23 war es ein Kräfteakt. Man hat zwischenzeitlich gar kein Licht am Ende des Tunnels gesehen. Trotzdem haben wir uns einmal die Woche über eine Zoomkonferenz getroffen und haben zusammen etwas Sport gemacht. Es tat gut, die Jungs trotzdem sehen zu können, wenn auch nur digital.

Um direkt auf den Kern des Pandemie-Problems im sportlichen Bereich zu kommen: Kannst du beschreiben, wie deine Mannschaft den Saisonausfall aufgenommen hat? Und wie wurde damit umgegangen, dass knapp sieben Monate kein Mannschaftstraining möglich war?

Natürlich waren alle sehr enttäuscht. Allerdings wurde der offizielle Saisonausfall auch recht spät verkündet. Zu diesem Zeitpunkt war jedem schon lange klar, dass die Saison abgebrochen wird. Ich habe wahrgenommen, dass die Jungs es auch geärgert hat, da wir gut in die Saison gestartet sind. Obwohl Mannschaftssport sieben Monate lang nicht möglich war, war es für alle nachvollziehbar. Es war nicht von Anfang an klar, dass es sieben Monate werden, sondern die Maßnahmen wurden immer wieder verlängert. Hierzu kann man sagen, dass die Mannschaft es immer gut verarbeitet hat, die Gesundheit aller stand hier einfach im Vordergrund und war wichtiger als Fußball.

Was hattest du für einen Eindruck von deiner Mannschaft, als ihr nach dem langen Lockdown wieder auf dem Platz gestanden habt?

(lacht) Bei dem einen oder anderen Kadetten hatte ich schon etwas Bedenken, in welcher Verfassung er nach dieser Zeit wohl zurückkommt. Allerdings war dies total unbegründet. Die Jungs haben sich alle eigenständig fit gehalten und auch durch unsere wöchentliche Zoomkonferenz haben wir noch etwas getan. Die Freude, auf dem Platz zu stehen, war sowohl bei mir, als auch bei der Mannschaft riesengroß. Da wollten alle gleich am liebsten 150 Prozent geben am Ball. Hier musste man aufpassen und die Trainingseinheiten behutsam angehen und gestalten. Ich bin auch froh, dass sich unsere Verletzungssorgen in Grenzen halten.

Denkst du, dass sich das Niveau der Spieler – aufgrund der quasi nicht stattgefundenen Saison 2020/2021 – verschlechtert hat?

Natürlich fehlt ein ganzes Jahr Wettkampf und Training. Die Entwicklung wurde so etwas gestoppt und man hat vor allem in den ersten Wochen gemerkt, dass die einfachsten Dinge nicht klappen. Auch das Gefühl am Ball und für das Spiel waren in den ersten Wochen so gut wie gar nicht vorhanden (lacht). Doch auch diese Sachen haben wir durch die lange Vorbereitung in den Griff bekommen. Ich denke, dass sich das Niveau schon etwas verschlechtert hat. Aber auch das wird sich wieder schnell verbessern, wenn alle am Ball bleiben.

Einige deiner Spieler haben noch nicht eine Saison im Seniorenbereich komplett absolvieren können. Hast du die Befürchtung, dass sich das negativ auf deren Entwicklung auswirkt?

Nein, das glaube ich nicht. Wie schon gesagt, ich denke, dass die Entwicklung einfach gestoppt wurde und jetzt einfach länger dauert. Einige Spieler wären ohne die Pandemie schon deutlich weiter und erfahrener. Persönlich glaube ich nicht, dass es ein Nachteil für uns oder die betroffenen Jungs ist, keine ganze Seniorensaison gespielt zu haben. Alle haben mindestens eine oder zwei Vorbereitungen in den Knochen und da konnte man sich schon einmal auf die neue Art und Weise des Fußballspielens einstellen. Zudem sind wir ein guter Mix aus Jung und Alt. Die fünf älteren Spieler unterstützen die jüngeren und helfen ihnen.

Glaubst du, dass die Corona-Pandemie langfristigen Einfluss auf den Amateurfußball haben wird?

Ich glaube nicht, dass es sich langfristig auswirken wird. Es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem alles wieder einigermaßen normal sein wird. Der kommende Herbst und Winter werden nochmal zeigen, wo man steht.

Kommen wir zum Ausblick auf die Saison 2021/2022: Euer Kader hat einige Veränderungen erfahren. Wie zufrieden bist du mit eurer Kaderplanung und wie schätzt du diesen ein? Und was erwartest du von euren Neuzugängen?

Mit der Kaderplanung bin ich sehr zufrieden. Da haben wir als Trainerteam und Mannschaft ganze Arbeit geleistet. Wir haben während der Pandemie echt viel getan und viele Gespräche via Zoom geführt. Der Kader wurde noch einmal etwas verfeinert. Dabei haben sich sechs Jungs aus der U23 verabschiedet. Einige sind gewechselt, einige sind bedingt durch ihr Studium weggezogen und einige haben aufgehört. Dafür haben wir fünf Neuzugänge zu vermelden gehabt. Wir haben uns auch nur auf den Positionen verstärkt, wo wir Bedarf gesehen haben. Alle fünf haben auch mindestens schon einmal einen Berührungspunkt mit Wethmar gehabt. Das war uns extrem wichtig. Max und Sebastian Hane haben in der Vergangenheit sowohl für die U23 als auch für die erste Mannschaft gespielt, Max Strecker ebenso. Laurin Stauch habe ich in der Bezirksliga-A-Jugend Mannschaft betreut und Tom Stüwe und Niklas Urban wollte ich schon länger nach Wethmar lotsen und stand daher schon länger in Kontakt mit beiden. Ich denke, unser Kader ist breiter und noch stärker als im letzten Jahr. Ich hoffe, wir bleiben von Ausfällen jeglicher Art verschont. Nur so können wir eine gute Rolle in der A-Liga spielen. Von den Neuzugängen erwarte ich, dass sie sich schnell einfinden und sich auch sofort aufdrängen.

Eure Gruppe in der Kreisliga A ist identisch zu der aus dem letzten Jahr. Wie schätzt du diese und eure Chancen dort ein?

Die Liga hat sich nochmal verbessert. Ich habe fast jede Mannschaft verfolgt und alle haben sich gut verstärkt. An Ligaprimus SuS Oberaden wird in dieser Spielzeit kein Vorbeikommen sein. Die haben einen Hochkaräter nach dem anderen verpflichtet. Ich denke, wir sollten schnellstmöglich viele Punkte sichern und uns von den Abstiegsrängen fernhalten. Sollte das geschafft sein, gucken wir, was noch drin ist. Unser Ziel ist es, in der Liga zu bleiben, wie es auch schon letztes Jahr war. Alles andere wird man dann sehen.

Wie würdest du eure Saisonvorbereitung einschätzen? Ihr hattet an zwei Wochenenden auch nicht gespielt, war das geplant?

Unsere Saisonvorbereitung war extrem durchwachsen. Wir konnten nur einmal aus dem Vollem schöpfen beim 4:0 gegen SV Herbern. Wir hatten immer mal wieder einige Urlauber und kleinere Verletzungen. Zum Saisonstart sind dann auch wieder alle an Bord, dann müssen wir über die ersten Spiele nochmal nachjustieren. Ich denke, wir werden nochmal drei bis vier Spiele brauchen bis wir auch unsere Bestleistungen abrufen können.

Ihr hattet an zwei Wochenenden auch nicht gespielt, war das geplant?

Die zwei freien Wochenenden waren so geplant, an diesen haben wir als Mannschaft immer etwas unternommen. Wir haben einen Mannschaftsabend veranstaltet und wir waren zusammen beim Swinggolf in Davensberg.

Blicken wir voraus auf das erste Lokalduell seit fast zwei Jahren gegen den SuS Oberaden am dritten Spieltag. Hat das Spiel für dich eine besondere Bedeutung? Und was erwartest du von diesem Spiel?

Für mich hat das gar keine Bedeutung. Natürlich will man den Lokalnachbarn immer schlagen. Wir stellen uns auf einen intensiven Fight ein. Jeder in der Liga will den Ligaprimus schlagen. Wir wollen uns gut auf das Duell vorbereiten und Oberaden das Leben 90 Minuten lang schwer machen. Schön wäre es, wenn wir etwas Zählbares vom Römerberg mitnehmen könnte. Zudem wird uns das Spiel auch zeigen, woran wir noch arbeiten müssen.

Eine abschließende Frage: Glaubst du, dass die neue Saison zu Ende gespielt werden kann?

Schwierige Frage. Ich hoffe es.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von | Sep 8, 2021 | Allgemein, News