„Wir wollen die Jungs zu guten Fußballspielern, starken Persönlichkeiten und Winner-Typen entwickeln!“

Nach dem Durchmarsch von der Kreisliga in die Landesliga stehen die B1-Junioren des TuS Westfalia Wethmar vor einer ganz spannenden Saison. Vor dem Auftakt bei den Sportfreunden Siegen II am Sonntag sind Mannschaft und das Trainer-Team um Daniel Nowak voller Tatendrang.

Daniel, du gehst nun in deine fünfte Saison beim TuS. Wie kam es damals dazu, dass du dich für unseren Verein entschieden hast?
Das ist schon eine längere Geschichte. Als ich mich im März 2016 dazu entschieden habe, den BV Brambauer zu verlassen, hatte Duppi später mal den Kontakt zu mir aufgenommen, um mich nach Wethmar zu holen. Damals hatte ich allerdings schon für die A-Jugend der SG Castrop zugesagt. Im Dezember 2016 nahm Duppi zusammen mit Frank Fischer nochmals Kontakt zu mir auf, um über ein Engagement für die Saison 2017/2018 zu sprechen. Es war damals geplant, eine U14-Mannschaft für 2017/2018 ins Rennen zu schicken. Das konnte ich mir dann sehr gut vorstellen. Als dann in den Gesprächen auch zu Tage kam, dass in der damaligen U13 ein Trainerabgang zu verzeichnen war, habe ich mich dazu bereiterklärt, bereits im Dezember 2016 – zeitgleich zu meinem Engagement bei der SG Castrop – bei der U13 einzusteigen. Mir hat es sehr imponiert, wie die Verantwortlichen sich damals um mich bemüht haben.

Welchen Eindruck hattest du von Wethmar, als du dich für uns entschieden hast?
Mit Wethmar hatte ich – bis auf die Spiele bei den Stadtmeisterschaften – eigentlich kaum Berührungspunkte. Aber da waren es zumeist spannende Spiele. Da erinnere ich mich gerne an die Begegnungen gegen die C-Jugend-Mannschaften von Simon und Stephan. Ansonsten hat Wethmar eine wirklich gute Arbeit gemacht und war zum Zeitpunkt meines Wechsels die Nummer eins in Lünen.

Am Anfang war es keine einfache Zeit für dich in Wethmar. Warum war das so?
Es ist immer schwierig, wenn man irgendwo als Neuer hinzustößt. Man muss sich erst an die Personen und Prozesse in einem Verein gewöhnen. Vielleicht war ich für einige auch noch zu sehr ein Brambaueraner Gesicht.

Was schätzt du am TuS nach den fast vier Jahren, in denen du bei uns bist?
Das Familiäre und das Vertrauen, welches mit hier entgegengebracht wird, sind für mich ganz wichtige Punkte. Da möchte ich ganz besonders Bernd und Rolf für den Jugendbereich hervorheben. Ich bin seit Oktober 2019 auch stellvertretender Jugendleiter, das dürfte das gerade genannte Vertrauen noch einmal unterstreichen. Es freut mich immer noch sehr, dass Bernd mich damals bezüglich dieses Postens angesprochen hat.

Schwelge mal in Erinnerungen: Was war das schönste oder emotionalste Erlebnis, welches du in unserem Verein mitgemacht hast?
Am tollsten und emotionalsten war mit Sicherheit die Endphase der Saison 2018/2019, als wir erst die Meisterschaft und dann den Aufstieg geschafft haben. Wir haben uns damit für ein ganzes Jahr harter Arbeit belohnt. Einige Spiele waren einfach nur nervenaufreibend. Die Unterstützung, die wir dabei genossen haben, war einfach nur überragend. Auch die Feierei und die Wasser- und Kaltgetränkduschen nach den entscheidenden Spielen oder auch der Cut, den ich mit an der Lippe geholt habe, gehören dann mit dazu und waren einfach nur toll. Aber auch die letzte Saison hatte mit der überragenden Hinrunde, die mit dem Herbstmeister-Titel endete, und dem Gewinn der Hallen-Stadtmeisterschaft viele erinnerungswürdige Momente. Ich bin den Jungs aus beiden Mannschaften unendlich dankbar, dass sie damals so mitgezogen haben.

Die momentane Zeit ist ja nicht ganz so leicht, die wir durch die ganzen Corona-Vorschriften haben. Wie hast du die Zeit überbrückt, als man wegen des Lockdowns nicht auf den Platz konnte?
Anfangs hatte ich noch die Hoffnung, dass wir die Saison noch irgendwie hätten zu Ende spielen können. Als dann absehbar war, dass die Saison nicht fortgeführt wird, habe ich mein ganzes Augenmerk auf die Planung für die neue Saison gerichtet. Ich habe viele Telefonate mit unseren Jungs und auch potentiellen Neuzugängen geführt.

Kommen wir zum Sportlichen: Wie zufrieden seid ihr mit eurer Kaderplanung und wie schätzt ihr euren Kader ein?
Mit unserer Kaderplanung sind wir im Trainerteam sehr zufrieden. Diese wurde natürlich durch die Tatsache erschwert, dass bis Mitte Mai nicht klar war, in welcher Liga wir in der Saison 2020/2021 voraussichtlich spielen werden. Unabhängig davon waren wir uns einig, dass wir auch in der anstehenden Saison überwiegend mit Jungs aus dem eigenen Nachwuchs, die sich mit unserem Verein identifizieren und auch schon einiges mit ihm durchgemacht haben, an den Start gehen wollen. Bei uns muss der Zusammenhalt stimmen. Bei unseren Neuzugängen war daher auch die menschliche Seite ganz entscheidend. Da hatte ich nach den Gesprächen sofort ein gutes Gefühl. Unser Kader hat insgesamt eine gute Mischung aus Jung- und Altjahrgängen. Unsere Altjahrgänge kennen zudem schon unsere Spielweise. Insgesamt haben die Jungs alle das Potential, um sich in der kommenden Saison gut zu entwickeln.

Wie schätzt ihr eure Gruppe in der Landesliga und eure Chancen dort ein?
Das ist eine sehr anspruchsvolle Gruppe. Da es durch den Abbruch der letzten Saison keine Absteiger gab, hat unsere Gruppe nun vierzehn statt zwölf Mannschaften. Das sind pro Saison vier Spieltage mehr. Und auch die Mannschaften, die letzte Saison unten gestanden haben, haben nun die Möglichkeit, es diese Saison besser zu machen. Es sind viele Vereine mit guten Jahrgängen in der Liga vertreten. Viele Mannschaften kenne ich bereits und gegen einige haben die Jungs in diesem Jahrgang schon gespielt. Somit wissen wir, was uns erwartet. Die Corona-Pause wird auch ein Faktor sein. Es wird interessant zu beobachten sein, wie die Mannschaften mit der langen Pause – trotz der Vorbereitungszeit – klarkommen. Wir freuen uns auf jeden Fall auf eine interessante Saison und werden uns keinesfalls verstecken.

Was soll denn dann am Ende für euch als Ergebnis stehen?
In unserem Trainerteam um Udo, Luca und mir steht die Ausbildung und Entwicklung unserer Jungs an oberster Stelle. Wir wollen natürlich jedes Spiel gewinnen und auch Winner-Typen entwickeln, aber wir wollen den sportlichen Erfolg nicht mit der Brechstange erzwingen und die Spiele nur durch unattraktives, mutloses Auftreten für uns entscheiden. Diese Ergebnisprofilierung fängt leider schon im frühesten Jugendbereich an. Wir wollen hingegen durch eine gute Ausbildung kombiniert mit einem mutigen Auftreten, Leidenschaft und Teamgeist zu sportlichem Erfolg kommen.

Habt ihr also kein Saisonziel?
Doch, natürlich haben wir eines. Als Aufsteiger ist es unser Ziel, den Klassenerhalt frühestmöglich unter Dach und Fach zu bringen. Sollte das gelungen sein, wagen wir natürlich auch einen Blick in Richtung gesichertes Mittelfeld. Gelingt es uns, einen ähnlichen Teamspirit wie in der letzten Saison zu erzeugen und auch enge Spiele für uns zu entscheiden, kann es eine erfolgreiche Saison werden, aus der die Jungs dann hoffentlich viel für ihren weiteren Weg mitnehmen werden.

Bei uns im Kreis gibt es in dieser Saison ja auch den Kreispokal-Wettbewerb. Gibt es da auch besondere Ziele oder seht ihr den Wettbewerb nur als nette Beilage an?
Wir hätten gut und gerne auf diesen Wettbewerb verzichten können. Wir haben im Ligabetrieb bereits 26 Spiele zu absolvieren. Das ist schon eine Menge. Zudem haben wir zu Beginn der Herbst- und Osterferien ein Meisterschaftsspiel zu absolvieren, sodass man dann auch kaum mal durchschnaufen kann. Zudem fällt die übliche Pflichtspielpause im November an den Wochenenden des Volkstrauertags und Totensonntags weg. Bis zur Winterpause ist das ein knüppelharter Rhythmus. Zudem fällt ein großer Reiz des Kreispokals dadurch weg, dass der Westfalenpokal in dieser Saison nicht stattfindet.

Wie verlief denn eure Saisonvorbereitung und was habt ihr für die letzte Woche bis zum Saisonstart geplant? Gab es in der Vorbereitung spezielle Events?
Unsere Vorbereitung verlief eher durchwachsen. Wir haben mit vielen verletzten Jungs zu kämpfen und konnten nicht ein einziges Mal mit unserer anfangs angedachten möglichen Startelf in den Testspielen agieren. Wir sind am 20. Juli richtig in die Vorbereitungsphase eingestiegen, in der wir entsprechend intensiv trainierten und Freundschaftsspiele bestritten. Die Ergebnisse in der Vorbereitung hatten Höhen und Tiefen, diese sind für uns aber zweitrangig. Für uns ging es darum, den Jungs nach der langen Corona-Pause Spielpraxis zu verschaffen und unsere Spielidee in den Begegnungen umzusetzen. Spezielle Events hatten wir deren zwei in der Vorbereitung: Wir hatten zwei Tage einen Gesundheitskurs in Form eines „Bootcamps“ des Präventionszentrums Ruhrgebiet absolviert und ein viertägiges „Trainingslager“ auf unserer Platzanlage abgehalten. Das waren zwei tolle Veranstaltungen. In der letzten Woche vor dem Pflichtspielauftakt werden wir uns ganz gewissenhaft und konzentriert auf das Duell mit Siegen vorbereiten, sodass wir dann hoffentlich gut gerüstet in die Saison starten können.

Es ist eure erste Saison in der Landesliga. Worauf legt ihr im Training am meisten Wert?
Wir als Trainerteam legen großen Wert auf eine ganzheitliche Ausbildung. Wir wollen die Jungs zu guten Fußballspielern, starken Persönlichkeiten und Winner-Typen entwickeln. Sicherlich haben wir auch Trainingsinhalte, die bei uns verstärkt vorkommen. Die behalten wir aber für uns.

Habt ihr das Gefühl, dass eure Mannschaft gut harmoniert?
Dadurch, dass die Mannschaft schon ein stark verändertes Gesicht im Gegensatz zur C-Jugend 2018/2019 hat, sind wir natürlich auch noch in einem Teamentwicklungsprozess. Das ist zu diesem Zeitpunkt aber auch normal. Wir haben eine Mannschaft mit vielen starken Persönlichkeiten, die auch ihre Meinung vertreten. Da kommt es auch mal vor, dass man das Ganze in geregelte Bahnen lenken muss. Das vergangene Wochenende war dabei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Daher passt das auch soweit, obwohl es natürlich immer besser geht. Jeder weiß, dass man nur gemeinsam sein eigenes Ziel sowie das der Mannschaft erreichen kann. Wir sind überzeugt, dass wir uns zum Saisonstart als eine Truppe präsentieren, die einen starken Teamspirit und eine gute Atmosphäre hat, die sich füreinander aufopfert und gemeinsam für unser Ziel spielt.

Eine abschließende Frage: Was ist dein größter Wunsch in der momentanen Zeit?
Dass wir die momentane Pandemie in allen Bereichen gut überstehen, die Menschen gesund bleiben und alles irgendwann wieder einen normalen Weg ohne große Beschränkungen geht. Sportliche Wünsche finde ich momentan eher deplatziert.

von | Sep 1, 2020 | Allgemein, News